Was sind Hämorrhoiden

Hämorrhoiden – geschätzt ist jeder Zweite betroffen

Zusammen mit den Schließmuskeln des Afters gehört der Hämorrhoidalplexus zum Verschlusssystem des Darmes. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird eine Erkrankung des Hämorrhoidalplexus mit der kurzen Bezeichnung Hämorrhoiden versehen. Anatomisch betrachtet bilden, vereinfacht gesagt, Schließmuskeln und der Hämorrhoidalplexus das Abdichtungssystem des Darmausgangs und verhindern unkontrollierten Stuhlabgang. Dabei übernimmt das Hämorrhoidalsystem als weiches Gefäßpolster die Feinabdichtung, die durch den Schließmuskel alleine nicht gewährleistet wäre. Das schwammartige, ringförmige Hämorrhoidenpolster weist drei Hauptknoten auf, die jeder noch über zusätzliche Nebenknoten verfügen. Jeder Mensch hat drei Haupt- und bis zu fünf Hämorrhoidalnebenknoten. Die Knoten und die schwammartige Struktur dienen als Schwellkissen und gewährleisten durch unterschiedliche Blutanreicherung eine zuverlässige Abdichtung. Bei einem Hämorrhoidalleiden sind es diese Knoten, die in unterschiedlicher Ausprägung und je nach Schwere der Erkrankung, am After hervortreten können. Fachärzte schätzen, dass mehr als 50% der deutschen Bevölkerung, mit einem Alter über als 30 Jahren, von einem Hämorrhoidalleiden betroffen sind.

Hämorrhoidalleiden – eine „Volkskrankheit“ mit unklarer Ursache

Hämorrhoidalleiden sind weit verbreitet und haben den Ruf einer „Volkskrankheit“. Umso erstaunlicher ist daher die Tatsache, dass es kaum wirklich gesicherte Erkenntnisse zur Krankheitsursache gibt. Die meisten medizinischen Studien kommen zu unterschiedlichen oder sogar widersprüchlichen Ergebnissen. Es gibt allerdings Hinweise auf verschiedene Faktoren, die die Entstehung begünstigen. So scheint es einen Zusammenhang zwischen starkem Bauchpressen beim Stuhlgang und der Entstehung von Hämorrhoiden zu geben. Auch häufige Verstopfung soll die Entstehung fördern. Hier liegt ein Zusammenhang mit dem erwähnten Bauchpressen auf der Hand. Eine genetische Disposition ist, genau wie Schwangerschaft, Übergewicht und ballaststoffarme Ernährung, ebenfalls im Gespräch.

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Einteilung des Hämorrhoidalleidens in verschiedene Gradstufen

Wie die meisten Erkrankungen im Bereich der Ausscheidungen oder des Intimbereichs, sind auch Erkrankungen des Hämorrhoidalsystems schambesetzt und werden daher erst angesprochen wenn der Leidensdruck der Betroffenen riesengroß ist. Die Patienten kommen häufig mit sehr charakteristischen Beschwerden, die Ausdruck des jeweiligen Erkrankungsstadiums sind, zum Arzt.

Hämorrhoidalknoten ersten Grades

Hämorrhoidalknoten ersten Grades sind von außen noch nicht sichtbar und können nur bei einer proktoskopischen Untersuchung erkannt werden. Der Patient bemerkt Blut im Stuhl oder am Toilettenpapier. Dabei ist die Farbe des Blutes auffallend hellrot, da es sich um Blut aus dem arteriellen System handelt. Die Blutungen treten vornehmlich im Zusammenhang mit dem Stuhlgang auf. Dabei kann die Menge der Blutung stark schwanken oder auch für Wochen wieder ganz aussetzen. In diesem Stadium kann es noch zur Rückbildung des Hämorrhoidalleidens kommen.

Hämorrhoidalknoten zweiten Grades

Vom zweiten Grad an, kommt es während des Stuhlgangs, zusätzlich zur Blutung, gegebenenfalls zu einem Vorfall der Hämorrhoidalknoten. Die Knoten ziehen sich aber von alleine nach einiger Zeit wieder zurück. Es kommt zu einer erhöhten Schleimbildung. Hierdurch tritt eine Reizung der äußeren Schleimhäute auf und es kann sich ein Analekzem mit unangenehmem Juckreiz entwickeln. Die Erkrankung bildet sich nicht mehr zurück.

Hämorrhoidalleiden des dritten und vierten Grades

Bei Hämorrhoidalleiden des dritten und vierten Grades ziehen sich vorgefallene Hämorrhoidalknoten nicht mehr von alleine zurück. Ein Vorfall ohne Stuhlgang, nur durch körperliche Anstrengung, ist möglich. Während die vorgefallenen Knoten im dritten Stadium noch mit den Fingern zurückgeschoben werden können, ist das im vierten Stadium nicht mehr möglich. Als weitere Komplikation können Einklemmungen der Knoten vorkommen. Hierdurch kommt es zu Schmerzen oder Druckgefühl. Sehr selten kann es im vierten Stadium auch zu einer Thrombosebildung kommen.

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Wichtigste Schritt

Der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist zunächst einmal der Gang zum Arzt. Je nach Diagnose und Ausprägung des Hämorrhoidalleidens kann dann eine, der Krankheitsausprägung angepasste Behandlung, erfolgen.

Unterstützendes Verhalten

In einem frühen Stadium kann es noch gelingen, durch unterstützendes Verhalten, eine Heilung oder gravierende Verbesserung zu erreichen. Hier sind vor allem diätetische Maßnahmen zu nennen. Eine ballaststoffreiche Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge sorgen dabei für ausreichend große und weiche Stuhlmengen. Das Ziel ist es, starkes und langes Pressen beim Toilettengang zu vermeiden. Bestimmte Sportarten, sowie alle Tätigkeiten die die Druckbelastung im Bauchraum erhöhen, sollten möglichst eingestellt werden. Zur Linderung einzelner Symptome, wie zum Beispiel Juckreiz, können unterstützend sogenannte Hämorrhoidalia eingesetzt werden. Hier handelt es sich in der Regel um Salben, Zäpfchen oder Analtampons die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Vom zweiten Grad an, können die vorher genannten Maßnahmen nur noch unterstützend wirken und sind alleine nicht mehr wirksam oder erfolgversprechend. Hier müssen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Die Palette der Möglichkeiten reicht vom Veröden über die Gummibandligatur bis zum größeren chirurgischen Eingriff. Dieser wird in den meisten Fällen nur in Erwägung gezogen, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft oder nicht erfolgversprechend sind.

Überwindung der Scham

Der erste Schritt zur Linderung der Beschwerden ist aber immer die Überwindung der Scham und das Aufsuchen eines Spezialisten. Da zudem, speziell Blut im Stuhl, ein Hinweis auf sehr ernsthafte Erkrankungen sein kann, ist auch bei leichten Beschwerden der Gang zum Arzt unbedingt zu empfehlen.